Oslo

Leider etwas spät erreichten uns heute Fotos, einer Erinnerungsaktion, zum Gedenken der Opfer in Oslo.

Zitat aus der Mail:
„Anreas Brevnik mag vielleicht insofern ein Einzeltäter sein, dass er keiner Organisation direkt zugehörig war. Doch ist er mit seiner Ideologie nicht isoliert in einer Gesellschaft, die tagtäglich gegen Muslime und Andersdenkende hetzt.
Damit ist auch er nur Teil einer Entwicklung, die in Europa zunehmend stärker wird und sich auch immer wieder gewaltsam äußert.“

Umbennenungsaktion in Kessenich

In der Nacht vom 12. auf den 13.7. wurden in Kessenich mehrere Straßenbahn-Haltestellen umbenannt.

Die Haltestellen, die vorher unscheinbare Namen trugen, machen nun aufmerksam auf Opfer rechter Gewalt (s. unten). Mit dieser Aktion soll aufmerksam gemacht werden, auf die oft vergessenen Toten, die die menschenfeindliche Ideologie von rechts jedes Jahr fordert.

Gerade in Zeiten modernen Gefasels von „Extremismus“ von links und rechts wird immer wieder vergessen, das rechtes Gedankengut auf Ausgrenzung und Herabsetzung basiert. Dies äußert sich im Äußersten in den über 130* Toten seit 1990.

*Dies sind offizielle Zahlen, die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. (s. auch Opfer rechter Gewalt)

Die heutige Aktion ist im Andenken aller Opfer rechter Gewalt (auch weltweit), konkret bezog sie sich jedoch auf:


Alberto Adriano

alberto adriano
Der 39-jährige Mosambikaner Alberto Adriano wird am 11. Juni 2000 in Dessau von drei Nazi-Skinheads schwer misshandelt und stirbt am 14. Juni 2010. Das Oberlandesgericht Halle verurteilt den 24-jährigen Enrico H. am 30. September 2000 zu lebenslanger Haft. Der 16-jährige Christian R. und der gleichaltrige Frank M. erhalten eine Haftstrafe von jeweils neun Jahren. Frank M. sagt während der Verhandlung: „Ich hab den Neger getreten, weil ich ihn hasse.“ Das Oberlandesgericht stellt fest: „Rechtsextreme Straftäter sind überdurchschnittlich gewaltbereit.“

Andreas Pietrzak

andreas pietrzak
In der Nacht zum 6. Mai 2006 tötet ein junger Neonazi im bayerischen Plattling einen 41-jährigen Obdachlosen Andreas Pietrzak. Nachdem der 19-Jährige erst mit dem Opfer getrunken hat, schlägt er mit einem Holzpflock auf ihn ein und tritt dann mit seinen Springerstiefeln auf den Kopf des wehrlosen Mannes. Anschließend beraubt er den Bewusstlosen, übergießt ihn mit Spiritus und zündet ihn an. Ein Bekannter habe vor der Tat gesagt, „dass man dem Polen eine Abreibung verpassen müsse“, gibt der Angeklagte vor Gericht zu. Das Opfer hatte die deutsche und polnische Staatsbürgerschaft. Schon früher hatte der Mörder Pietrzak gemeinsam mit einem Bekannten misshandelt. Obwohl im Urteil die „ausländerfeindliche Gesinnung“ des Täters ausdrücklich festgestellt wird, sieht der Richter darin nicht das führende Motiv für die Tat. Der Angreifer wird im Mai 2007 vom Landgericht Deggendorf zu neun Jahren Jugendstrafe wegen Raubmordes verurteilt.

Enrico Schreiber

enrico schreiber
Drei rechte Skinheads misshandeln in der Nacht zum 29. März 2003 in Frankfurt (Oder) den ehemaligen Punk Enrico Schreiber (25) so schwer, dass er wenige Stunden später in einem Krankenhaus stirbt. Während der mehr als zweistündigen Folter in einer Plattenbauwohnung springt ein Täter, Stephan B. (20), auf Schreiber herum, schlägt ihn mit einer Metallstange und versetzt ihm Messerstiche in ein Bein. Die Brüder Marco S. (26) und Daniel S. (21) prügeln mit. Am Ende der Tortur stehlen die Schläger noch eine Playstation, Schreibers Handy und sein Bargeld. Im Prozess berichten mehrere Zeugen, die Skinheads hätten nach der Tat geäußert, „es war ja nur ein Punk“. Das Landgericht Frankfurt (Oder) wertet den Gewaltexzess als Mord und verurteilt im Dezember 2003 Marco S. zu zwölf Jahren Haft, Bruder Daniel erhält sieben Jahre Jugendstrafe, bei Stephan B. sind es acht Jahre. Das Gericht sieht keine Anzeichen für eine rechte Straftat, betont aber, dass die Gesinnung der Täter „nicht zu übersehen war“.

Karl Sidon

karl sidon

Am 18. Januar 1993 geraten fünf Jugendliche im thüringischen Arnstadt mit dem Parkwächter Karl Sidon in Streit. Die der „Babyskin-Szene“ zugehörigen Jugendlichen verprügeln den 45-Jährigen, mit dem sie mehrfach Auseinandersetzungen gehabt hatten. Anschließend schleifen sie ihr regloses Opfer auf die viel befahrene Bahnhofstraße. Mehrere Autos überrollen den Mann. Im Krankenhaus erliegt er seinen Verletzungen. Zwei der Jugendlichen, 15 und 16 Jahre alt, verurteilt das Erfurter Bezirksgericht im August 1993 zu drei Jahren und neun Monaten Haft.

(Quelle: Zeit)